„Was läuft gut in der Familie? Wie schaffen wir es gemeinsam, mit einer Krise umzugehen?“ Dies sind typische Fragen aus der systemischen Beratung. 22 Pädagoginnen aus Jugendamt, Wohngruppen, KITA, Jugendsozialarbeit an Schulen (JAS) und Beratungsstellen bildeten sich im Kreuzkloster in Gemünden gemeinsam fort. Eingeladen hatten die sozialpädagogischen Einrichtungen und der Familienstützpunkt des Kreuzklosters zu 15 Tagen „Systemisches Arbeiten“. Der erste Termin war coronabedingt noch online, aber dann war die Freude groß, sich in Präsenz zu treffen. Was macht den systemischen Ansatz aus? In diesem Modul standen die Wunderfrage, die systemische Haltung und systemische Fragetechniken wie „hypothetische Fragen“ auf dem Programm. Die Dozentin Rita Freitag war früher selbst Internatsschülerin und später Lehrerin in der Erzieherausbildung im Kreuzkloster: „Systemisch Arbeiten heißt, auf die Beziehungen zu fokussieren und Stärken in den Mittelpunkt zu stellen – wie hast du das geschafft, welche Stärken kannst du nutzen? Wer in der Familie kann dich dabei unterstützen“.
Mit ihrem Ehemann aus Rieneck hat Frau Freitag vor 20 Jahren ein Weiterbildungsinstitut in Chemnitz mit Standbeinen in Görlitz und Köln gegründet. Die beiden kommen nun gerne in ihre unterfränkische Heimat zurück und haben in Rieneck ihr „Institut für Systemische Arbeiten ISA Franken“ angesiedelt. Sie werden in Unterfranken und vor allem in Main-Spessart systemische Beraterinnen und Familientherapeutinnen nach den Standards der deutschen Dachverbände weiterbilden.
Dazu Kerstin Heim, die Leiterin des Familienstützpunktes Gemünden: „Wir sind sehr dankbar dafür, von Rita und Matthias Freitag die Grundlagen der systemischen Arbeit lernen zu können. Die Fortbildungstage haben gezeigt, dass die beiden durch ihre charismatische Art und ihre Kompetenz uns nicht nur fachlich sondern auch persönlich beeindrucken und uns ermutigen neu zu denken.
Auf die Frage, was die systemische Beratung zum Umgang mit der Coronakrise empfiehlt, antwortet Matthias Freitag: „Wir sollten vor allem den Kindern und Jugendlichen dafür danken, was sie in der Krise alles auf sich nehmen mussten und in Familie, KITA und Schule schauen, was hilft uns im Umgang mit den Einschränkungen, wie können wir uns wechselseitig dabei unterstützen, was gelingt. Welche guten Haltungen, Angewohnheiten, Rituale und Strukturen tragen uns durch eine so schwere Zeit“. Mit vielen guten Ideen für die eigene Praxis haben die Teilnehmerinnen die Präsenztage abgeschlossen. „Mir hat besonders gut gefallen, dafür gewürdigt zu werden, was ich gut mache und mir gleichzeitig Anregungen mitzunehmen, was ich Neues wagen kann“.
Den Grundkurs haben 22 Fachkräfte abgeschlossen. 14 von ihnen haben noch den Aufbaukurs absolviert und den Abschluss „Systemischer Berater (DGSP)“ vom Fachverband DGSP (Deutsche Gesellschaft für systemische Pädagogik) erhalten.
Die Kreuzschwestern gratulieren ganz besonders ihren vier Mitarbeiterinnen aus der Nachmittagsbetreuung/Familienstützpunkt, der Heilpädagogischen Tagesstätte und aus dem Zentrum für ganzheitliche Entwicklung zum Abschluss.